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WAS HEISST DEN BEDÜRFNISSEN VON MENSCHEN MIT EINER BEHINDERUNG GERECHT WERDEN ?
1. Blinde und sehbehinderte Menschen
Beide, blinde und sehbehinderte Menschen, werden in dieser Gruppe zusammengefasst.
Jedoch ist zwischen Blinden und Sehbehinderten zu differenzieren. Eine blinde Person sieht nicht, aber "fühlt" die Worte über ihre anderen Sinne (Tast-, Gehör-, Geruchssinn). Sie hört und fühlt die Anwesenheit anderer Menschen. Die sehbehinderte Person sieht nicht gut, verfügt aber über ein gewisses Sehvermögen. Es ist zu beachten, dass nur wenige sehbehinderte Menschen vollständig blind sind.
Durch die Sehbehinderung sind die anderen Sinne ausgeprägter und differenzierter entwickelt.
Bedürfnisse:
- Kontakt mit Menschen auf der Basis eines kontinuierlichen Austauschs im Gespräch.
- Möglichkeit, Objekte oder Personen zwecks genauer Identifikation berühren zu können.
- Gute, kontrastreiche Beleuchtung, Markierungen sind für die (grössere) Unabhängigkeit von grosser Bedeutung.
- Klare, eindeutige Erklärungen und genaue Beschreibungen der Umgebung helfen, den Weg und die Hindernisse wahrzunehmen.
- Angebot persönlicher Führung, von technischen Hilfsmitteln (weisser Stock, Blindenhund usw.).
- Kenntnis der besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
Wege einer erleichterten Verständigung:
- Zeigen Sie keine Voreingenommenheit gegenüber einer Person mit Behinderung.
- Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Person und nicht auf die Sehbehinderung.
- Stellen Sie sich immer vor, wenn Sie mit einer sehbehinderten Person sprechen.
- Stehen Sie nahe der Person, damit diese Sie einfacher identifizieren kann.
- Sprechen Sie die sehbehinderte Person immer direkt an und nicht ihre Begleitperson.
- Fragen Sie, ob die Person Hilfe wünscht; setzen Sie diese Hilfe nicht einfach voraus.
- Bieten Sie Tonkassetten anstelle schriftlicher Informationen an. Wenn Sie etwas notieren, schreiben Sie in grossen Buchstaben und in Braille (Pläne, Menükarten, Führer).
- Lesen Sie laut, in normaler Tonlage vor, wenn keine Tonkassetten oder schriftliches Material zur Verfügung steht (Erläuterungen, Menüs, Richtungen usw.).
- Verständigen Sie sich mittels der Sprache, da er/sie Mimik und Gestik nicht sehen kann.
- Geben Sie eine klare Beschreibung der Umgebung; der Dienstleistungen; beschreiben Sie die Position von Hindernissen wie Möbeln, Tischen usw. genau, auf der Grundlage allgemein benutzter Kriterien (Uhrzeiger, Himmelsrichtungen).
- Be able to explain the way and/or to demonstrate the way if needed (specifying for example the beginning and the end of the stairs, …);
- Beschreiben Sie Wege klar und so vollständig wie nötig; oder zeigen Sie falls nötig wo es lang geht (Anfang und Ende einer Treppe, ...).
- Berücksichtigen Sie die Bedeutung eines Blindenhundes in jeder Situation. Lenken Sie den Blindenhund nicht ab; prüfen Sie, ob auch der Hund Zugang zu den Orten hat.
- Verstellen oder verräumen Sie weder persönliche Gegenstände noch Möbel im Hotelzimmer während des Aufenthalts eines blinden Gasts.
- Im Aufzug Stockwerke akustisch mitteilen.
- Informieren Sie die Person, wenn Sie diese aus irgend einem Grund verlassen.
- Koordinieren Sie Ihre Tätigkeiten mit anderen Dienstleistungsanbietern.
- Bedenken Sie die besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
2. Gehörlose und hörbehinderte Menschen
Diese Behinderung ist auf den ersten Blick fast nicht zu erkennen, es sei denn,
die Person gibt dies zu verstehen. Es ist wichtig, zwischen gehörlosen und hörbehinderten Menschen zu unterscheiden. Hörbehinderte haben zusätzliche Schwierigkeiten in einer lauten Umgebung. Menschen, die von Geburt gehörlos sind, haben eventuell Schwierigkeiten mit dem Sprechen. Viele Hörbehinderte benutzen zum Kommunizieren die Zeichensprache und lesen von den Lippen ab.
Einige benutzen Hörgeräte, um ihre Hörfähigkeit zu verbessern.
Bedürfnisse:
- Gesichtskontakt mit der sprechenden Person.
- Gute Beleuchtung, um von den Lippen abzulesen.
- Informationen gleichzeitig mit den anderen Mitgliedern einer Gruppe erhalten.
- Bereitschaft, andere Kommunikationsformen zu benutzen, wenn die Verständigung übers Gehör nicht möglich ist.
- Kenntnis der besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
Wege einer erleichterten Verständigung:
- Setzen Sie sich der Person gegenüber, damit Sie Sehkontakt haben und die Person von Ihren Lippen ablesen kann. Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung Ihres Gesichts, insbesondere der Lippen.
- Verdecken Sie Ihren Mund nicht mit Ihren Händen.
- Stellen Sie sich immer vor und erklären Sie Ihre Rolle oder Ihren Auftrag.
- Finden Sie gemeinsam mit der Person heraus, welches ihre persönliche Situation ist und welche Kommunikationsmittel benutzt werden können.
- Wählen Sie einen ruhigen Ort aus für das Gespräch.
- Schauen Sie der Person ins Gesicht, wenn Sie diese ansprechen; reden Sie langsam und mit deutlicher Aussprache (wenn gewünscht in Schriftsprache).
- Reden Sie in normalem Tempo, ohne übertriebene Lippenbewegungen und ohne laute Stimme (das hilft nichts, ausser die Person wünscht dies ausdrücklich); einfache Gesten können nützlich sein.
- Formulieren Sie klare, kurze Sätze und wiederholen Sie das Gesagte, wenn dies gewünscht wird.
- Halten Sie Schreibpapier bereit.
- Vergewissern Sie sich, dass Ihre Mitteilungen verstanden wurden.
- Bieten Sie Kommunikationshilfsmittel wie Schreibtelefon oder Telefax an.
- Akzeptieren Sie die Benutzung von technischen Hilfsmitteln wie Mikrofon.
- Achten Sie darauf, dass die gehörlose Person in die Gruppengespräche einbezogen wird, sonst ist sie absolut isoliert.
- Koordinieren Sie Ihre Aktivitäten mit anderen Dienstleistungsanbietern.
- Bedenken Sie die besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen
3. Menschen mit eingeschränkter Lernfähigkeit
Das Verhalten und die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Lernfähigkeit sind sehr unterschiedlich und abhängig vom Grad der Behinderung. Das Mass ihrer Mobilität/Bewegungsunabhängigkeit kann ebenfalls variieren, von kaum wahrnehmbaren kleinen Einschränkungen bis zu Situationen, in denen Hilfe nötig ist. Die letztgenannten Menschen reisen in der Regel mit einer Begleitperson. Eine Person mit eingeschränkter Lernfähigkeit hat reduzierte Aufnahme- und Entscheidungsfähigkeiten.
Manche Personen zeigen je nach Situation komplexe Verhaltensweisen (Angst, Furcht, Depression, Orientierungslosigkeit usw.) oder haben Schwierigkeiten, sich in solchen Situationen unmittelbar mitzuteilen.
Bedürfnisse:
- Persönliche Freundschaft.
- Aufmerksame, freundliche Gespräche und vorurteilsloses Verhalten.
- Verhaltensweisen und Handlungen, die auf echter, natürlicher Zuneigung beruhen ohne unangemessenes Bemitleiden.
- Willkommensein; volle Teilnahme an organisierten Freizeit- und Fun-Aktivitäten, so dass sich diese Menschen akzeptiert und 'gebraucht' fühlen.
- Verwendung einfach zu verstehender Signale (Piktogramme, ...).
- Kenntnis der besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
Wege einer erleichterten Verständigung:
- Haben Sie keine Vorurteile im Umgang mit einer behinderten Person.
- Verhalten Sie sich verständnisvoll und freundlich.
- Zeigen Sie eine entspannte und hilfsbereite Haltung.
- Drücken Sie sich klar, deutlich und einfach aus; geben Sie positive Feedbacks.
- Vermeiden Sie lange und komplizierte Erklärungen.
- Formulieren Sie anschaulich; vergewissern Sie sich, dass Ihre Erklärungen verstanden wurden; zögern Sie nicht, sich, falls nötig, zu wiederholen.
- Benutzen Sie keine Verkleinerungen oder eine kindliche Sprache.
- Nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch.
- Lassen Sie sich von einer längeren Reaktionszeit nicht irritieren.
- Koordinieren Sie Ihre Aktivitäten mit anderen Dienstleistungsanbietern.
- Bedenken Sie die besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
4. Menschen mit eingeschränkter Mobilität
Die Bewegungsmöglichkeiten, die Mobilität von Menschen mit einer Behinderung wird bestimmt von der Art
ihrer Behinderung, der Zugänglichkeit der Infrastruktur und der topografischen Gegebenheiten.
Menschen mit einer physischen Behinderung können im Gehen eingeschränkt sein; sie können einen (elektrischen oder manuellen) Rollstuhl benutzen. Manchmal benutzen sie Krücken oder Stöcke. Beide Gruppen können unterschiedliche Voraussetzungen für ihre Unabhängigkeit haben:
Viele können eine kurze Strecke gehen, einige benutzen den Rollstuhl nur für kurze Zeit, andere immer.
Manche haben Schwierigkeiten, ihre Gesten zu kontrollieren oder sich verbal auszudrücken (diese Schwierigkeit steht jedoch in keinem Zusammenhang mit ihren intellektuellen Fähigkeiten).
Bedürfnisse:
- Genaue und präzise Informationen über die Zugänglichkeit des Ortes, den sie besuchen möchten (Treppen, Rampen, Aufzug, Türbreiten usw.). Mit diesem Wissen kann die Person mit eingeschränkter Mobilität selber entscheiden, ob der Ort für ihre speziellen Bedürfnisse geeignet ist.
- Vollständige Erreichbarkeit der Infrastruktur wie deren Benutzung.
- Technische Hilfsmittel, um verschiedene Hindernisse zu überwinden.
- Den eigenen Rhythmus bestimmen und beibehalten können.
- Bereitschaft zur Hilfe, zum Beispiel beim Treppensteigen.
- Bereitschaft zur Hilfe, zum Beispiel beim Tragen von Gepäck, Paketen usw.
- Gelegentlich Hilfe beim Sichsetzen oder beim Aufstehen.
- Verzicht auf glitschige Oberflächen bei Fussböden, um Unfälle zu vermeiden.
- Kenntnisse der besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.
Wege einer erleichterten Verständigung:
- Haben Sie keine Vorurteile im Umgang mit einer behinderten Person.
- Finden Sie zusammen mit der betroffenen Person heraus, was deren Bedürfnisse sind.
- Nehmen Sie sich genügend Zeit, damit die Person sich mitteilen kann.
- Sprechen Sie mit der betroffenen Person und nicht mit der Begleitperson.
- Lassen Sie die Person ihre Bedürfnisse erklären und setzten Sie diese nicht als bekannt voraus (Interpretation).
- Stellen Sie Informationen über die Routen/Ziele zur Verfügung und helfen Sie der Person, die "wirkliche" Situation einzuschätzen. Bieten Sie nach Möglichkeit Lösungen an (technische Hilfsmittel, ...).
- Geben Sie genaue Informationen über den Grad der Zugänglichkeit (Hotel, Sehenswürdigkeiten, ...) und, wenn möglich, überprüfen Sie die Daten.
- Vergewissern Sie sich mittels geeigneter Informationsquellen, dass die Informationen zuverlässig sind.
- Bieten Sie, wenn verlangt, Hilfe an, aber in der verlangten Weise.
- Koordinieren Sie Ihre Aktivitäten mit denjenigen anderer Dienstleistungsanbieter (z.B. das Reisebüro, welches das Hotelzimmer bucht, sollte sich vergewissern, dass das Hotel die Bedürfnisse des potentiellen Kunden kennt bzw. ihnen gerecht werden kann).
- Bedenken Sie die besonderen Bedürfnisse und Massnahmen in Notfällen.