Der Tourismus ist ein bedeutender Sektor der Weltwirtschaft. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist das Reisen ein Grundbedürfnis, stellt es doch eine einzigartige Möglichkeit dar, eine Abwechslung in den Alltag zu bringen, mit anderen Menschen Beziehungen zu knüpfen und neue Welten und Kulturen zu entdecken.
Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass alle Menschen reisen können, dass die touristischen Angebote sich grundsätzlich an alle Menschen richten und keinen Teil der Bevölkerung ausschliessen. Die Tourismuspolitik spielt für die Realisierung dieser allgemeinen Bedingungen eine entscheidende Rolle.
1989 publizierte eine britische Expertengruppe ihren Bericht "Tourism for All". Er ist aus mehreren Gründen wichtig geworden. Erstens wurde darin die bestehende Benachteiligung von Menschen mit einer Behinderung kritisiert, zweitens wurden die verantwortlichen Funktionsträgerinnen und -träger der Branche aufgefordert, die Bedürfnisse von behinderten Touristinnen und Touristen von Anfang an in die Entwicklung touristischer Produkte einzubeziehen und drittens machte der Bericht konkrete Empfehlungen, um die Benachteiligungen zu beseitigen.
Europäische und amerikanische Organisationen griffen die Anliegen des britischen Berichts auf, schnell wurde "Tourismus für alle" ein internationales Thema. In einer Reihe von europäischen Ländern entstanden gleichnamige Organisationen, die sich die Umsetzung des gemeinsamen Anliegens auf lokaler und nationaler Ebene zum Ziel setzten: in der Gesellschaft und in den betroffenen Wirtschaftszweigen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass von einem qualitativ hochstehenden Tourismus nur dann gesprochen werden kann, wenn die spezifischen Bedürfnisse von behinderten Touristinnen und Touristen berücksichtigt sind.
Bis heute wird den behinderten Menschen das Recht auf Reisen mit dem Hinweis auf die ungenügende "Zugänglichkeit" (siehe dazu die Erklärung im Glossar) der touristischen Infrastruktur weitgehend vorenthalten. Die Kentnis der spezifischen Bedürfnisse behinderter Menschen und deren Berücksichtigung auf lokaler und nationaler Ebene kann dazu beitragen, dieser grossen Bevölkerungsgruppe gleichberechtigte Möglichkeiten zu schaffen.
Unabhängig von der jeweiligen Behinderungsart, haben behinderte Touristinnen und Touristen folgende Bedürfnisse:
Des weiteren empfiehlt die Expertengruppe den Funktionsträgerinnen und -trägern der Tourismusbranche, eine flexiblere Marketingstrategie zu entwickeln, die auf dem Bedarf aller Menschen gründet. Die Planung touristischer Angebote sollte nicht allein auf dem Profil von "Standardpersonen" (Nichtbehinderte) beruhen, da die grundsätzlichen Bedürfnisse und Wünsche jedes Individuums unterschiedlich sind.